Können Kinder durch eine Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken (MMRV) wirksam geschützt werden und muss man mit schädlichen Nebenwirkungen rechnen?

Fazit

Dieser Review zeigt, dass diese Kombinationsimpfstoffe eine Ansteckung der Kinder mit Masern- Mumps- Röteln- oder Windpockenviren wirksam verhindern können. Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass diese Impfstoffe ein erhöhtes Risiko für Autismus oder Enzephalitis oder andere Erkrankungen haben, und das Risiko für hohes Fieber ist gering.

Wirksamkeit:
Bei Masern verhindert die Impfung 95% der Infektionen und 96% nach einer zweiten Dosis. Bei Mumps verhindert die Erstimpfung 72% der Infektionen und 86% nach der Zweitimpfung. Die Impfung ist zu 89% wirksam gegen Röteln, und bei Windpocken ist der Impfstoff nach der Zweitimpfung während mindestens 10 Jahren zu 95% wirksam.

Nebenwirkungen:
Die Studien haben gezeigt, dass diese Impfstoffe weder Autismus noch Enzephalitis oder andere vermutete unerwünschte Folgen haben. Das Risiko, etwa zwei Wochen nach der Impfung hohes Fieber oder eine erhöhte Blutungsneigung (Immunthrombozytopenie) zu entwickeln, ist sehr gering.

Qualität der Evidenz

Die Qualität der wissenschaftlichen Belege war mässig für die Wirksamkeit des MMR-Impfstoffs und hoch für den Windpockenimpfstoff. Die Evidenz basiert auf 138 Studien mit mehr als 23 Millionen Kindern. Stand: April 2020.

Kontext

Masern, Mumps, Röteln und Windpocken sind durch Viren verursachte Infektionskrankheiten. Sie kommen bei Kindern und jungen Erwachsenen häufig vor und sind meistens nicht schwerwiegend, können aber auch zu Behinderungen (wie Taubheit), zu Komplikationen oder sogar zum Tod führen, und Röteln können schwerwiegende Folgen für Schwangere und ihr ungeborenes Kind haben. Der Masern-Mumps-Röteln-Impfstoff (MMR) ist ein kombinierter Impfstoff, der gegen alle drei Infektionen schützt. Ärzte können gleichzeitig gegen Windpocken impfen, indem sie den Windpockenimpfstoff entweder mit dem MMR-Impfstoff mischen (MMRV) oder ihn gleichzeitig getrennt verabreichen (MMR+V). Die MMR Impfungen haben die Infektionen drastisch reduziert. Es gibt jedoch Leute, die glauben, dass der Impfstoff Nebenwirkungen wie Autismus, Hirnschwellung (Enzephalitis), Meningitis, Lernbehinderungen, Typ-1-Diabetes und andere Erkrankungen verursacht. Infolgedessen ist die Anzahl der geimpften Kinder zurückgegangen.
Das Ziel dieser Übersichtsarbeit war es, die Wirksamkeit der MMR-, MMR+V- und MMRV-Impfstoffe gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen bei Kindern bis zu 15 Jahren zu bewerten und festzustellen, ob diese Impfstoffe unerwünschte Wirkungen hervorrufen.